Wie lang ist ein Erklärvideo?

Online Videos sind überall. Bereits im kommenden Jahr wird der Internet Traffic zu 76% aus Videos bestehen. (Quelle: Cisco) Mehr als die halbe Weltbevölkerung wird bis 2019 Zugang zum World Wide Web haben, Allerdings wird die Anzahl der Geräte, die es braucht um ins Netz zu kommen, also Smartphones, Computer etc. dreimal so hoch sein, wie die Anzahl der Menschen, die auf der Erde leben.

Wir sehen mehr Video Content an mehr Orten von mehr Quellen als jemals zuvor. Das führt zwangsläufig zu einer geringeren Aufmerksamkeitsspanne und höheren Erwartungen seitens der Zuschauer. Durchschnittlich zehn Sekunden hat ein Video Zeit um Aufmerksamkeit zu gewinnen bevor weitergeklickt wird. Danach sinkt die Zuwendung stark. Wer sein Publikum nicht innerhalb von 30 Sekunden mitreißt, der hat bereits 33% der Zuschauer verloren, nach einer Minute sind es 45%.

Überlegungen, um die richtige Länge zu bestimmen

Guten Content gibt es in allen Längen. Wie gelingt es nun die richtige Länge für ein Erklärvideo zu bestimmen? Meist hilft es nicht, zu schauen, wie lang andere Erklärfilme sind, denn was für andere Unternehmen funktioniert, muss nicht zwangsläufig auch für das eigene gelten. Natürlich kann man sich einen Überblick darüber verschaffen, was in zwei, drei oder vier Minuten machbar ist. Aber um die Länge des eigenen Erklärvideos zu bestimmen ist es wichtig, einige Fragen zu beantworten:

  • Was soll vermittelt/erklärt werden? Ein Produkt/eine Dienstleistung, das eigene Unternehmen oder beides?
  • Wie komplex ist der Unternehmensgegenstand? Werden zum Beispiel innovative Lösungen erarbeitet? Ein innovatives Produkt geht häufig einher mit einer Präsentation und damit, zu erklären, wo eine Lücke geschlossen oder ein Defizit behoben wird.
  • Wie soll die Botschaft übermittelt werden? Sollen Beispiele, Zitate oder Ähnliches verwendet werden?
  • Und natürlich: welches Budget steht zur Verfügung?

Das Video sollte einen bestimmten Zweck erfüllen. Im Vorfeld muss klar sein, welche Informationen der Zuschauer bekommt. Wenn es sehr viel zu sagen gibt, sollte man vermeiden alles in ein Video zu quetschen, denn ein zu komplexes Video überfordert den Zuschauer. Sinn eines Erklärvideos ist ja gerade die klare Vermittlung von Zusammenhängen. Es ist also wichtig, das Video möglichst einfach zu halten, indem man sich jeweils nur einen Gedankengang vornimmt. Eine längere Botschaft kann zum Beispiel in mehrere kürzere Filme aufgeteilt werden, die miteinander verlinkt werden.

Wo soll das Erklärvideo platziert werden?

Neben inhaltlichen Überlegungen kommt es allerdings auch auf die Verbreitung an. Sollen Videos nicht nur auf eigenen YouTube– oder Vimeo-Kanälen, sondern auch in sozialen Medien verbreitet werden, so ist es ratsam auch eine kurze, clipartige Version des Ganzen bereit zu stellen. Die optimale Länge für den Facebook Auto Player sind 30-45 Sekunden. Jede Plattform bietet eigene Vorteile und je nachdem, worauf der Fokus liegt, entscheidet man sich für einen oder mehrere Kanäle.

YouTube ist die Video-Plattform mit der größten Reichweite. YouTube Videos können unproblematisch auf allen Websites eingebettet werden und die Google Suche findet Videos, die hier hochgeladen wurden. Allerdings leidet die Ästhetik ein wenig unter den allzu zahlreichen Werbeeinblendungen.

Vimeo hat im Vergleich zu YouTube weniger User, dafür suchen sie gezielter nach besonders hochwertigen kreativen Videos. Im Gegensatz zum embedded Player von YouTube ist der Player von Vimeo nicht gebrandet, sprich, er wirkt auf den Zuschauer wie der eigene Player. Das ist besonders vorteilhaft, wenn das Video vom Vimeo Kanal auf der Unternehmensseite eingebunden wird. Vimeo ist werbefrei und bietet eine sehr ansprechende Benutzeroberfläche.

Auch Facebook wird immer mehr zur Video-Plattform, ist allerdings eher intuitiv und weniger gelenkt. Videos werden eher zufällig in der eigenen Timeline entdeckt. Die Tatsache, dass immer mehr User regelmäßig mehrmals am Tag selbige überprüfen, gewährleistet dennoch, dass Videos auch tatsächlich gesehen werden. Interaktion und User-Bindung sind bei Facebook Videos größer als bei Vimeo oder YouTube. Viele Nutzer verfügen über eigene Facebook Accounts, mit denen sie ständig online sind – egal ob am Laptop oder Smartphone oder Tablet. Ein interessantes Video kann dadurch schnell kommentiert oder geteilt werden.

Eine Kombination aus mehreren Kanälen bietet hier die beste Lösung, so dass man die Vorteile verschiedener Verbreitungsformen für das eigene Erklärvideo nutzen kann.

Foto: (CC BY 2.0) by Jonathan Rolande